Bonhoeffer
Pastor, Agent, Märtyrer, Prophet...

Die neue Bonhoeffer Biographie von Eric Metaxas

Warum nicht einen Lesezirkel gründen und dieses Buch gemeinsam lesen?
Neue Impulse diskutieren?
Begleitend die Werke Bonhoeffers lesen?
Vermutlich ein Jahresprojekt...das sich unbedingt lohnt...

ISBN-10: 3775152717
ISBN-13: 978-3775152716
Hänssler Verlag

zu beziehen über CBZ Linz 

Bonnhoefer

 

 

Gedanken zu Bonhoeffer

Mich bewegt immerzu die Frage, wie wir heute ein Leben leben können, das in authentischer Art und Weise von unserem Glauben zeugt.
Wie wir unverkrampft und mit relevantem Zugang Fenster öffnen können, die Menschen auf der Suche den Himmel sehen lassen können.

Mich bewegt, was Dietrich Bonhoeffer in der Wehrmachtsabteilung des Gefängnisses Berlin-Tegel überlegt hat. Während den Bombennächten denkt er sich in theologische Dimensionen hinein, die für mich zum Kostbarsten gehören, was im 20. Jahrhundert formuliert worden sind.

Wie vor ihm in anderer Weise Paul Tillich und Rudolf Bultmann wagt er es, die Loslösung der Moderne aus der Vormundschaft von Religion und Kirche theologisch zu bejahen. In Bonhoeffers Sicht darf die „Mündigkeit der Welt“ nicht verteufelt werden. Denn Christus, der Mensch für andere, ist es auch für die im Denken und Begreifen erwachsen Gewordenen. Diesen Mündigen, Aufgeklärten fühlt sich der Christ Bonhoeffer nahe.

Schon 1942 äußert er gegenüber seinem Freund:

„Ich spüre, wie in mir der Widerstand gegen alles ‚Religiöse’ wächst, … Ich bin keine religiöse Natur. Aber an Gott, an Christus muss ich immerfort denken, an Echtheit, an Leben, an Freiheit und Barmherzigkeit liegt mir sehr viel. Nur sind mir die religiösen Einkleidungen so unbehaglich.“

Und aus Tegel schreibt er:

„Oft frage ich mich, warum mich ein ‚christlicher Instinkt’ häufig mehr zu den Religionslosen als zu den Religiösen zieht, und zwar durchaus nicht in der Absicht der Missionierung, sondern ich möchte fast sagen ‚brüderlich’.“

Kann es so etwas wie ein „religionsloses Christentum“ geben? Ja, sagt Bonhoeffer. So wie Paulus die jüdische Beschneidung nicht als Bedingung des Christwerdens akzeptierte, so kann es heute nicht länger die Religion sein. Bonhoeffer sucht nach einer „nichtreligiösen Interpretation theologischer Begriffe“. Die klassisch-religiöse Kirchensprache will ihm nicht mehr über die Lippen kommen:

„Auch wir selbst sind wieder ganz auf die Anfänge des Verstehens zurückgeworfen. Was Versöhnung und Erlösung, was Wiedergeburt und Heiliger Geist, was Feindesliebe, Kreuz und Auferstehung, was Leben in Christus und Nachfolge Christi heißt, das alles ist so schwer und fern, dass wir es kaum mehr wagen, davon zu sprechen.“

Bonhoeffer weiß, dass er mehr die Aufgabe einer „Einkleidung“ des Glaubensgutes sieht, als sie schon lösen zu können. Aber er hofft, mit seinen radikalen Anstößen „für die Zukunft der Kirche einen Dienst tun zu können.“
„Es wird eine neue Sprache sein, vielleicht ganz unreligiös, aber befreiend und erlösend, wie die Sprache Jesu.“

Hat die Kirche seinen Dienst angenommen? Die Fachleute haben die „nichtreligiöse Interpretation“ ausführlich diskutiert. An der kirchlichen Basis ist wenig davon angekommen – in der ehemaligen DDR möglicherweise mehr als im Westen.
Merkwürdig: Als Widerstandskämpfer ist Bonhoeffer zur Ikone geworden, die theologischen Impulse seiner Spätzeit harren hingegen weiterhin wirklicher Beachtung. Mag sein, dass das Wort „religionslos“ dabei im Weg steht. Vielleicht ist der säkulare Mensch gar nicht unreligiös.
Vielleicht haben jene Recht, die sagen, Religion sei keine Zutat, die man einfach ablegen kann. Sie sei vielmehr ein fundamentales anthropologisches Phänomen mit vielen Schattierungen. Man müsse den Begriff nur weit genug fassen. Die sogenannten Religionslosen hätten auch ihre Religion.

Autor:
Wolfgang Hilpert ist evangelischer Theologe und Religionslehrer in Berlin

Dietrich Bonhoeffer: Widerstand und Ergebung; TB Gütersloher Verlagshaus